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Warum beschäftigen wir uns mit dem Thema "Sexuelle Gewalt"?

Das Deutsche Rote Kreuz ist ein Ort, an dem das menschliche Miteinander im Fokus steht. Dadurch sind wir – wie jeder andere Wohlfahrtsverband auch – ein potenzielles Tatumfeld für sexualisierte Gewalttaten, die statistisch gesehen etwa jedem 4. bis 5. Mädchen und jedem 10. bis 12. Jungen im Laufe ihres Lebens widerfahren. Dass die vermutete Dunkelziffer um ein Vielfaches höher ist, verstärkt zudem den Handlungsbedarf (Enders, 2006, S. 12f). Für den Seniorenbereich oder weitere Arbeitsfelder mit den uns anvertrauten Menschen gibt es bisher noch wenig verlässliche Daten, doch eine ähnliche Gefährdungsstruktur lässt sich stark vermuten.

Neben der Familie steht das „soziale Umfeld“ mit ca. 90% aller sexualisierten Gewalterfahrungen statistisch gesehen mit an erster Stelle (Enders, 2006, S.13). Erklärbar ist dies dadurch, dass soziale Nähe neben den wünschenswerten alters- und reifegemäßen Kontakten untereinander, auch viel Raum für unangemessene, sexuelle Kontakte und Grenzüberschreitungen bietet.

Die Entscheidung einen eigenen Fachbereich zum Thema zu schaffen ist sicherlich eng mit den gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen verbunden. Das Thema „Sexualisierte Gewalt“ in Institutionen ist kein neues Thema, erfährt aber durch einige publike Vorfälle (u.a. Odenwaldschule, Kloster Ettal) seit dem Jahr 2010 vermehrt öffentliche Aufmerksamkeit.

Als große Reaktion aus der Politik ist die Einberufung eines Runden Tisches „Sexueller Kindesmissbrauch in Abhängigkeits- und Machtverhältnissen in privaten und öffentlichen Einrichtungen und im familiären Bereich“ (Abschlussbericht 2011) nennenswert. An diesem war unsere DRK Vizepräsidentin Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg im Rahmen ihrer Funktion als Vizepräsidentin der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege e.V. von Anfang an beteiligt. Mit Abschluss des Runden Tisches sind bereits viele weitere Schritte unternommen worden, um den Schutz vor sexualisierter Gewalt im DRK noch weiter auszubauen.

Auch die Einführung bzw. Weiterentwicklung des Bundeskinderschutzgesetzes im Jahr 2012 ist als ein positives, öffentliches Mittel zur Verbesserung des Kinder- und Jugendschutzes zu werten.

Neben den öffentlichen Interessen zeugen aber insbesondere das Selbstverständnis und die Grundsätze des DRK davon, dass der Schutz unserer Mitglieder vor sexualisierter Gewalt ein eigenständiges Anliegen unsererseits ist. Nicht erst seit dem vermehrten, öffentlichen Interesse widmen sich unsere Fachabteilungen dem Thema. So wird der Kinderschutz beispielsweise im Bereich der Kitas dauerhaft intensiv bearbeitet (z.B. in den Leitungs- und Trägerkonferenzen und durch die Durchführung von Fachtagungen zu den diversen Fragestellungen).

Eine Besonderheit stellt sicherlich auch das Jugendrotkreuz im Landesverband Nordrhein dar. Hier gibt es bereits seit dem Jahr 2007 eine eigene Schutzstelle als ersten Ansprechpartner zum Thema und im Bereich der strukturellen Prävention sind u.a. der JRK Ehrenkodex, die Einführung von (Erweiterten) Führungszeugnissen und die Integration des Themas in die Gruppenleiteraus- und Weiterbildungen als vorbildhaft für die Jugendverbandsarbeit zu nennen.

Wir bauen unseren Schutz vor sexualisierter Gewalt nicht nur wegen der rechtlichen Neuerungen aus, sondern vor allem aufgrund unseres ethischen Grundverständnisses.

 
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Stephanie Korell

s.korell(at)drk-nordrhein.net

 

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