Buehnenbild_Grafitti.jpg R. Zimmermann/DRK Nordrhein

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Über uns

Seit dem 01.04.2014 haben wir mit unserer Stabsstelle "Prävention sexualisierter Gewalt" im DRK-Landesverband Nordrhein e.V. eine eigene Anlaufstelle. Der Schwerpunkt der DRK-Stabsstelle liegt bei der Begleitung und Beratung unserer Kreisverbände, Einrichtungen und Dienste zur Umsetzung der 8 DRK-Standards zur Prävention sexualisierter Gewalt.

Die Umsetzung erfolgt anhand der Empfehlungen unserer verbandlich abgestimmten Broschüren.

  • Hintergründe

    Das Deutsche Rote Kreuz ist ein Ort, an dem das menschliche Miteinander im Fokus steht. Dadurch sind wir – wie jede andere soziale Einrichtung auch – ein potenzielles Tatumfeld für sexualisierte Gewalttaten, die statistisch gesehen etwa jedem 4. bis 5. Mädchen und jedem 10. bis 12. Jungen im Laufe ihres/seines Lebens widerfahren. Dass die vermutete Dunkelziffer um ein Vielfaches höher ist, verstärkt zudem den Handlungsbedarf (Enders, 2006, S. 12f). Für den Seniorenbereich oder weitere Arbeitsfelder mit den uns anvertrauten Menschen gilt ein ähnlicher Gefährdungsbereich.

    Neben der Familie steht das „soziale Umfeld“ mit ca. 90% aller sexualisierten Gewalterfahrungen (bezogen auf Kinder und Jugendliche), statistisch gesehen mit an erster Stelle (Enders, 2006, S.13). Erklärbar ist dies dadurch, dass soziale Nähe neben den wünschenswerten alters- und reifegemäßen Kontakten, auch viel Raum für Grenzverletzungen und sexuelle Übergriffe bietet.

    Die Entscheidung, einen eigenen Fachbereich zum Thema zu schaffen, ist sicherlich eng mit den gesamt-gesellschaftlichen Entwicklungen verbunden. Das Thema „Sexualisierte Gewalt“ in Institutionen ist nicht neu, erfährt aber durch einige bekannt gewordene Vorfälle (u.a. Odenwaldschule, Kloster Ettal) seit dem Jahr 2010 eine vermehrte öffentliche Aufmerksamkeit.

    Gesellschaftspolitische Entwicklungen

    Als große Reaktion aus der Politik ist die Einberufung des Runden Tisches „Sexueller Kindesmissbrauch in Abhängigkeits- und Machtverhältnissen in privaten und öffentlichen Einrichtungen und im familiären Bereich“ nennenswert. An diesem war unsere DRK-Vizepräsidentin Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg im Rahmen ihrer Funktion als Vizepräsidentin der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege e.V. von Anfang an beteiligt. Mit Abschluss des Runden Tisches sind bereits viele weitere Schritte unternommen worden, um den Schutz vor sexualisierter Gewalt im DRK noch weiter auszubauen.

    Auch die Einführung bzw. Weiterentwicklung des Bundeskinderschutzgesetzes im Jahr 2012 ist als ein positives, öffentliches Mittel zur Verbesserung des Kinder- und Jugendschutzes zu werten.

    Neben den öffentlichen Interessen zeugen aber insbesondere das Selbstverständnis und die Grundsätze des DRK davon, dass uns der Schutz unserer Mitglieder vor sexualisierter Gewalt ein eigenständiges Anliegen ist. Nicht erst seit dem vermehrten, öffentlichen Interesse widmen sich unsere Fachabteilungen dem Thema. So wird der Kinderschutz beispielsweise im Bereich der Kitas dauerhaft intensiv bearbeitet - beispielsweise in Leitungs- und Trägerkonferenzen sowie Fachtagungen.

    Vorreiter Jugendrotkreuz

    Eine Besonderheit stellt sicherlich auch das Jugendrotkreuz im Landesverband Nordrhein e.V. dar. Hier gab es in den Jahren 2007 bis 2017 eine eigene Schutzstelle als "ersten Ansprechpartner" zum Thema. Mit Verabschiedung der Umsetzungsstrategie für die Gemeinschaften im Jahr 2016 übernehmen diese Aufgaben nun die Vertrauenspersonen im DRK-Landesverband Nordrhein e.V. Auch in den weiteren Bereichen der strukturellen Prävention ist das Jugendrotkreuz schon lange ein Vorreiter. Es hat einen eigenen Verhaltenskodex, ausführliche Schulungsmodule innerhalb der Gruppenleiter- und Ferienfreizeit-Betreuerschulungen und hält sich dauerhaft fit mit thematischen Weiterbildungen.

    Wir freuen uns, dass diese Begeisterung mittlerweile in die anderen Bereiche des DRK ausgestrahlt hat. Wir in Nordrhein bauen den Schutz vor sexualisierter Gewalt aufgrund unseres ethischen Grundverständnisses beständig aus.

  • Ziele

    Ganz im Sinne der UN-Konventionen gehört es zu unseren Aufgaben, die Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen vor Einflüssen, die ihre individuelle und soziale Entwicklung beeinträchtigen oder nachhaltig schädigen können, zu schützen. Aus unserer Überzeugung heraus gilt dies gleichermaßen für die Zielgruppe der Senioren, Menschen mit Behinderungen und alle weiteren, uns anvertrauten Menschen.

    Wir verfolgen mit unseren Maßnahmen von daher folgende Zielsetzungen:

    • Die Verminderung von Vorfällen sexualisierter Gewalt in unserem Verband. 
    • Die systematische Etablierung von strukturellen Präventionsmerkmalen.
    • Die systematische Umsetzung der DRK-Standards zum Schutz vor sexualisierter Gewalt in allen Aufgabenbereichen des DRK. 
    • Die Verbreitung präventiver Arbeit und dadurch die Stärkung unserer Mitglieder.
    • Die Entwicklung eines gesamtverbandlichen Risikomanagements. 
    • Die Unterstützung des Gesamtverbandes im Bereich der Prävention sexualisierter Gewalt.  

    Diese in allen Einrichtungen, Gemeinschaften, Angeboten und Diensten fest zu verankern, ist unsere Hauptaufgabe.

  • Maßnahmen

    Wir verfolgen das Ziel, dass in jeder Einrichtung kompetente Ansprechpartner*innen für das Thema vorhanden sind. So kann bei Fragen, Unsicherheiten und ungeklärten Situationen hürdenlos reagiert werden. Einrichtungen, die auch zu sensiblen Themengebieten Ansprechbarkeit vermitteln, schaffen damit bereits eine gute Grundlage, um bei ernsthaften Gefährdungen adäquat reagieren zu können.

    Ansprechpartner

    Für den ehrenamtlichen Bereich wurden im Landesverband Nordrhein e.V. zwei Vertrauenspersonen implementiert. Diese können von allen ehrenamtlich Aktiven per Email oder Telefon kontaktiert werden. Sie  nehmen sich Zeit, um die Anliegen zu besprechen und beziehen dabei ihre fachlichen Netzwerk-Kontakte ein. Ihnen zur Seite steht auf Wunsch auch die DRK-Stabsstelle hier im DRK-Landesverband Nordrhein e.V.

    Die Kreisverbände, die keine eigenen Vertrauenspersonen bei sich implementieren können, können jederzeit auf die Vertrauenspersonen des Landesverbandes zugehen. In den DRK-Kitas und Einrichtungen der Senioren- und Behindertenhilfe soll es nach unseren Empfehlungen ebenfalls sogenannte "Erste Ansprechpartner" zum Thema geben. Die jeweiligen Aufgaben, Voraussetzungen und üblichen Handlungsschritte sind für die diversen Aufgabenfelder detailliert in unseren Broschüren beschrieben. 

    Kommunikation

    Ein Aufgabenschwerpunkt ist die Bekanntmachung der neuen DRK-Standards in unseren Untergliederungen. Dazu kommt unsere Referentin gerne in Ihren Kreisverband, Ihre Einrichtung oder Abteilung und stellt Ihnen unsere Standards sowie ihre Entstehungsgeschichte im gesamtpolitischen Kontext vor.

    Interventionsverfahren und Qualitätsmanagement

    Jeder Verdachtsfall, jede Grenzverletzung und jede ausgeführte sexualisierte Gewalttat hinterlässt Spuren und Schäden bei allen Beteiligten. Um so handlungssicher wie möglich sein zu können, müssen unsere Kreisverbände und Einrichtungen schon vorab wissen, was zu tun ist.

    Sicherheit und fachliche Standards stehen im Zentrum unserer sorgfältig entwickelten Interventionspläne.  Diese weichen bei Vorfällen sexuslisierter Gewalt innerhalb der Gemeinschaften vom sonstigen geltenden Disziplinarverfahren ab. Das wurde mit allen verbandlichen Gremien abgestimmt und von der DRK-Landesversammlung im März 2016 beschlossen.

    Für Verdachtsfälle innerhalb der ehrenamtlichen Strukturen des Landesverbandes und der Kreisverbände wurde ein Mitglied des Präsidiums - Dr. med. Carsten Müntjes (Schriftführer) - zum Interventionsbeauftragten bestimmt. Dieser leitet die Verfahrensklärung und spricht dem zuständigen Präsidium nach Eruierung aller verfügbaren Informationen und Fachexpertisen eine Empfehlung im jeweiligen Fall aus. Die Verfahrenspläne für unsere Kitas und Einrichtungen der Senioren- und Behindertenhilfe wurden ebenfalls sorgfältig und unter Beteiligung von Fachberatungsstellen entwickelt. So sichern wir ein entsprechendes Qualitätsmanagement.
    Alle weiterführenden Informationen finden sich dazu unter dem DRK-Standard Nummer 8 in den jeweiligen Broschüren.

    Wissensvermittlung

    Jeder im DRK Aktive braucht entsprechend seiner Tätigkeiten und Aufgaben angemessene Informationen zum Thema. Deshalb bietet der Landesverband sowohl diverse Schulungen für die Fachkräfte in den Einrichtungen, als auch Themenabende und Schulungen für die ehrenamtlichen Kräfte in den Kreisverbänden an.

    Wir haben uns viele Gedanken über passgenaue Weiterbildungen gemacht, diese finden sich unter dem DRK-Standard Nummer 2 in den entsprechenden Broschüren.

    Netzwerkarbeit

    Wir pflegen unsere Netzwerk-Kontakte zu diesem Thema genauso und stehen auch externen Einrichtungen und Trägern mit unserer langjährig entwickelten Fachexpertise zur Seite. Unter dem Punkt Weiterbildung können Externe unsere Angebote anfragen und mit der Verbreitung unserer entwickelten Methodentasche 100% ICH zeigen wir, wie wichtig uns die Unterstützung der praktischen Präventionsarbeit ist. Dabei profitieren wir bei jedem Verdachtsfall von unseren Fachkolleg*innen in Beratungsstellen, Jugendamt und anderen Wohlfahrtsverbänden, die uns großartig unterstützen. Gerade bei diesem Thema funktioniert das "Geben und Nehmen" unser Erfahrung nach sehr gut. Dafür möchten wir unseren Netzwerk-Kontakten von Herzen "Danke!" sagen!

  • Projektstelle "Prävention sex. Gewalt" im Bundesverband

    Seit dem 01.01.2013 gibt es im Bundesverband eine Referentin zum Thema. Nachdem sich Juliane Ostrop und Alexandra Hepp in den ersten Jahren des Themas angenommen haben, begleitet nun Frau Mascha Angrick das Netzwerk von Ansprechpartnern aus den einzelnen Landesverbänden und steht diesen mit Rat und Tat zur Seite.